Die aktuelle Ranking-Analyse der Content-Marketing-Agentur Companions zeigt, dass Content Marketing in Deutschland oft hochwertig ist. Doch nur ein Bruchteil der Beiträge auf den Corporate Blogs der DAX-Unternehmen wird überhaupt gefunden.

Laut der Effizienz-Studie tauchen nur 94 von 520 Beiträgen auf den Corporate Blogs der DAX-Unternehmen in den Google-Top-20 auf. Wie effektiv kann Content Marketing sein, wenn es von der Zielgruppe gar nicht gefunden wird? Content Marketing, das von sich behauptet, erfolgreich zu sein, muss sich auch an seiner Auffindbarkeit messen lassen. Dabei ist es aber nicht so, dass es keine erfolgreichen Beispiele gibt: Primus der Effizienz-Studie von Companions mit der höchsten Ranking-Qualität und einer Ranking-Quote von 90 % ist der Corporate Blog von Infineon.

 

Zur Methodik

Die Studie konzentriert sich auf die Blogs, in denen die Unternehmen sich selbst, ihre Kompetenzen, Innovationen und Services darstellen – nicht auf die Blogs der unter dem jeweiligen Konzerndach vertriebenen Marken. Zunächst wurden die aktuell bespielten Corporate Blogs der 30 DAX-Unternehmen identifiziert (Stand November 2018). Aus den ersten zehn auf der jeweiligen Startseite publizierten Artikeln wurden die Top-Keywords herausgefiltert und nach folgenden Kriterien bewertet:

  1. Suchvolumen pro Monat
    2. Strategische Platzierung im Text
    3. Keyword-Dichte

Im nächsten Schritt wurde das konkrete Google-Ranking der einzelnen Texte in den Top 100 anhand der verwendeten Keywords ermittelt. Zudem wurden die unterschiedlichen Content-Formate sowie Social Shares auf Facebook und Twitter in die Studie mit einbezogen. Corporate Blogs, bei denen es sich lediglich um Download-Varianten von Printmagazinen handelt oder deren Inhalte älter als Januar 2017 waren, wurden nicht berücksichtigt.

Für vergrößerte Ansicht klicken.

 

Blogs: Formate, Aufbau und Kommentarfunktion

Den klassischen Blog, aufgebaut wie ein Tagebuch, aus der Ich-Perspektive erzählt und mit Kommentarfunktion, gibt es fast nicht mehr. Heute sehen Blogs eher wie Online-Magazine aus (30,6 %) oder sie kommen als Mix aus Blog und Magazin, kurz Blogazine, daher (32,7 %). Ihre Ästhetik orientiert sich unübersehbar an der von Hochglanz-Printmagazinen – aufwendige Grafiken und hochwertige Fotos unterstützen diesen Ansatz. Dabei ist zwar die Form visueller geworden, die Themen sind aber im Großen und Ganzen immer noch relevant für die Zielgruppe. Die im Ranking erfolgreichsten Content-Formate sind, neben den reinen Online-Magazinen, die optisch eher unspektakulären Karriere-Blogs. 30 Prozent des Magazin-Contents bzw. 25,7 Prozent der Karriere-Blog-Inhalte finden sich unter den Top 100 der Google-Suchergebnisse. Bemerkenswert ist auch, dass mehr als die Hälfte der Blogs keine Kommentarfunktion haben und sich so nochmals deutlich vom klassischen Blog-Format unterscheiden. Diskussionen finden heute eher auf Social Media statt.

 

Geringe Ranking-Qualität

Schaut man sich die SEO-Qualität der einzelnen Blog-Beiträge an, fällt auf, wie stark sie von Unternehmen zu Unternehmen variiert. Allen gemeinsam allerdings sind folgende SEO-Versäumnisse: Die Keyword-Dichte liegt meistens unter einem Prozent. Relevante Keywords wurden bei fast allen Blogs nicht gründlich recherchiert. Oft wirkt es, als sei der Content erstellt worden, ohne den Kunden überhaupt zu kennen. Die Verwendung der wenigen Keywords erfolgt zudem willkürlich. Selten werden sie im Text strategisch positioniert – weder in der Headline, noch im Teaser und auch nicht in den Zwischenüberschriften. Und obwohl es immer wichtiger wird, auf Longtail-Keywords und Keyword-Clouds bei der Aufarbeitung der Inhalte zu achten: In fast 90 Prozent des Blog-Contents finden sie sich nicht. So überrascht es auch nicht, dass nur 94 der 520 untersuchten Beiträge in den Google-Top-20 auftauchen und der Rest für die User so gut wie unsichtbar bleibt.

 

Die erfolgreichsten Blogs im Google-Ranking

Die erfolgreichsten Corporate Blogs im Ranking sind Infineon mit durchschnittlich 90 % des Blog-Contents, sowie Henkel und BMW mit je 80 %. Die Deutsche Bank bringt es auf 60 %, Daimler auf 58 % und Volkswagen auf immerhin 53 %. Ihre Strategie: Sie benutzen relevante Keywords. Die Allianz rankt etwa mit durchschnittlich 60 % ihrer Beiträge und hat ein durchschnittliches Keyword-Suchvolumen von rund 4.000 Suchanfragen. SAP kommt auf ein vergleichbares Ranking, das Suchvolumen liegt allerdings nur bei 40 Suchanfragen. Das Content Marketing der Allianz ist also aus SEO-Sicht deutlich effizienter, da es eine höhere Keyword-Reichweite und dadurch eine größere User-Relevanz beinhaltet. Führend in puncto Ranking-Qualität sind Infineon und Henkel: Der Infi-neon-Content hat ein durchschnittliches Suchvolumen von 9.805, Henkel von 2.005.

 

Content Marketing auf Social-Media-Kanälen

Im Zuge der Studie wurden auch die Social-Media-Posts der Unternehmen untersucht. Hierbei stellte sich heraus, dass der Blog-Content nur in geringem Umfang in den sozialen Netzwerken geteilt wird. Die Online-Präsenzen sind also nur locker miteinander vernetzt. Stattdessen bereiten die Unternehmen die Inhalte oft passend zum jeweiligen Medium nochmal auf. Diese Strategie ist durchaus klug: Visuell geprägter Content für Facebook, Twitter & Instagram wird mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Verdichtete Wort-Bild-Kombinationen, GIFs oder Memes sind schnell zu konsumieren und können Themen unterhaltend auf den Punkt bringen.

Die Analyse zeigt: Wenig aussagekräftige Verlinkungen zum Blog werden von den Nutzern nicht angenommen. Durchschnittlich bekommen diese Posts nur 10 Likes und werden rund 5 Mal geteilt. Die durchschnittlich 400.840 Facebook-Follower der DAX-Unternehmen sind bei speziell für Social Media aufbereitetem Content viel reaktionsfreudiger. Vor allem die Automobilbranche versteht sich auf guten Social-Content. Bei über der Hälfte der untersuchten Blogs (55,1 %) handelt es sich allerdings um B2B-Formate. Da sie naturgemäß eine kleinere Zielgruppe haben als beispielsweise B2C- Blogs für Automobil-Fans, fällt die Zahl der Social-Media-Reaktionen entsprechend niedriger aus.

Jedoch haben B2B- und B2C-Blogs etwas gemeinsam: Zu den beliebtesten Social-Media-Plattformen, auf denen die User die Blog-Inhalte teilen können, gehören Facebook (24,5 %) und Twitter (25,2 %). B2B-Formate setzen zusätzlich auf Business-Plattformen wie LinkedIn (14,6 %) und Google+ (13,9 %). Aber auch Pinterest wird immer beliebter und reicht mit 6,6 % fast an das Business-Netzwerk Xing mit 7,9 % heran.

Und Pinterest wird in Zukunft als Werbeplattform noch wichtiger werden, schließlich erreichen hier die Posts oder besser Pins monatlich 100 Millionen aktive Nutzer. 93 % aller User nutzen das Netzwerk laut Hootsuite zur Einkaufsplanung und 87 % haben bereits einen Kauf getätigt, nachdem sie auf Pinterest ein Produkt entdeckt hatten.

 

Das Fazit: Es gibt Optimierungspotenzial für Corporate Blogs

Wenn User die Inhalte von Corporate Blogs der DAX-Unternehmen finden wollen, müssen sie die Blogs direkt im Browser ansteuern. Über die Google-Suche zu passenden Themenfeldern kann der Content nicht gefunden werden, weil 60,09 % nicht in den Top 100 ranken. Nur 94 von 520 Texten fanden sich gut sichtbar unter den ersten 20 Suchergebnissen – und mehr als die ersten beiden Suchergebnis-Seiten schauen sich die Nutzer nachweislich nicht an. Der Grund: Meist werden irrelevante Keywords mit einem sehr geringen Suchvolumen verwendet und scheinbar willkürlich im Text untergebracht.

Dennoch wird Social Media zumeist mit speziell auf diese Netzwerke zugeschnittenem Content bespielt. Nur wenige Blog-Inhalte werden unbearbeitet geteilt. In diesem Bereich arbeiten die DAX-Unternehmen also sehr effizient, was zumindest von der Reichweite der Corporate Blogs, seien es nun klassische Karriere-Blogs, Magazine oder Blogazines, nicht gesagt werden kann. Hier ist noch viel Potenzial nach oben, um die jeweiligen Zielgruppen über konkrete Suchanfragen zu erreichen und sie optimal in die Kommunikation einzubinden.