Die Videoplattformen Youtube und Vimeo haben es vorgemacht: Video-Content ist hip. Allein auf YouTube laden User pro Minute etwa 400 Stunden Videomaterial hoch. Das Social Web wird von Videos quasi geflutet, weshalb immer mehr soziale Medien nachziehen und ihren Nutzern anbieten, Videos zu machen oder hochzuladen.

Vorreiter ist Snapchat. Zehn Milliarden Video-Aufrufe generieren die Nutzer täglich. Noch einmal als Zahl: 10.000.000.000 Views pro Tag. Auch Facebook und dessen Tochter Instagram richteten nach dem Video-Boom auf Snapchat ihre Strategie auf Bewegtbild aus und kopierten sogar einige erfolgreiche Funktionen vom Konkurrenten.

Die Ursachen des Video-Booms

Videos sind beliebt. Videoinhalte werden schnell und verständlich vermittelt. Wer ein wenig Übung bei der Videoproduktion hat, schafft es auch noch unterhaltsam. Die Zahlen machen es deutlich: Sobald eine Meldung ein Video enthält, steigt die Klickrate um 270 Prozent. Und es wird für die Nutzer immer einfacher, Videos zu erstellen, hochzuladen und zu konsumieren. Dank des technologischen Fortschritts lassen sich Videos beinahe ohne Qualitätsverlust komprimieren, während Netzwerk- und Übertragungskapazitäten deutlich gestiegen sind. Dazu kommen die rasende Verbreitung von Smartphones und eine schnelle, fast flächendeckende mobile Datenübertragung. Zeitgleich stecken Fa-cebook, Instagram, Twitter und Co. viel Zeit und Geld in die Entwicklung und Einbindung von neuen Videoformaten. Während 360-Grad-Videos auf Facebook virtuelle Welten erzeugen, verändert Live- Streaming die Nutzung und Interaktion auf sämtlichen Kanälen.

Authentizität schlägt Qualität

Jeder Smartphonebesitzer kann mittlerweile schnell und einfach Video-Content erstellen und über die Sozialen Medien teilen. Dementsprechend lautet das Motto bei der Erstellung von Video- Content: keep it simple! Hier steht die Authentizität im Fokus, während auf eine Inszenierung verzichtet wird. Unternehmen sollten nicht ihre Produkte und Dienstleistungen in den Mittelpunkt stellen, sondern den Vorteil für die jeweilige Zielgruppe. Wichtig sind Botschaften in kleinen Häppchen, die auch mobil konsumierbar sind und Interaktionsmöglichkeiten bieten. Ebenfalls wichtig: viele Nutzer schauen Videos auf dem Smartphone ohne Ton an. Im Social Web sollten Videos also auch ohne Ton mit Texteinblendungen funktionieren.

Lieber gut kopiert als schlecht erfunden

In die sozialen Netzwerke eingebundene Live-Videos sind der nächste logische Schritt in dieser fortwährenden Entwicklung. Sie eröffnen noch einmal neue Möglichkeiten, der Zielgruppe zeitnah Informationen zuzuspielen. Eine Formatentwicklung, die Snapchat noch nicht bietet, dennoch aber ausgelöst hat. Die App mit dem Geist hat bereits deutlich früher als seine Konkurrenten auf den Faktor Video und eine Vergänglichkeit der Inhalte gesetzt. Da sich Snapchat nicht vom blauen Riesen Facebook kaufen ließ, wurden die Erfolgsmerkmale der App kurzerhand kopiert und in das einverleibte Fotonetzwerk Instagram integriert. Am offensichtlichsten wird das bei den Instagram-Stories, die exakt dasselbe abbilden wie die Snapchat-Story. Hier können Nutzer und Marken anhand von mehreren kurzen Videos oder Bildern, die sich nach 24 Stunden selbst zerstören, lebhaftes Storytelling betreiben. Der Content kann direkt nach der Aufnahme veröffentlicht werden – ist somit also fast live.

Eine kleine Content-Revolution

Durch diese Art des Storytellings werden die Nutzer aufgefordert, den entstandenen Content regelmäßig zu konsumieren – schließlich möchte niemand etwas verpassen. Auf der anderen Seite zahlt die Vergänglichkeit auch auf das Erstellen von Videos ein. Der Qualitätsanspruch sinkt, da sich die Inhalte ohnehin nicht länger als einen Tag im Dunstkreis des eigenen Kanals befinden und damit auch die Hemmschwelle, eigene Inhalte zu produzieren. Die verschiedenen Story-Funktionen können daher als kleine Content-Revolution betrachtet werden. Livestreaming hingegen – und das ist auch der Grund, warum Snapchat noch nicht aufgesprungen ist – ist in der Erstellung mit Planungsaufwand verbunden und muss auch deutlich länger sein als die leicht konsumierbaren Video-Häppchen, um in diesem einen speziellen Moment eine gewisse Reichweite zu erzeugen.

Kein Weg führt daran vorbei

Eines steht jedoch fest: Video-Content gewinnt immer mehr an Bedeutung. Während 2016 Videoinhalte weltweit noch 38 Prozent des gesamten Internet-Traffics ausmachten, werden für 2019 bereits mehr als 80 Prozent erwartet. Bewegtbild gehört also in jede Content-Marketing-Strategie. Auch im Social Web werden Videos zum wichtigsten Kommunikationsmittel. Unternehmen sollten die innovativen Videoformate daher besser früher als später in die eigene Strategie mit aufnehmen.

Über den Autor

Björn Thar ist seit Anfang 2015 Social Media Manager in der Unit Social Business Relations der Profilwerkstatt.

Er leitet den Workshop „Innovative Video-Formate im Social Web“  bei den Praxistagen Social Media und Onlinekommunikation am 7. und 8. November in Düsseldorf.