Dass Kreativität im Content Marketing wichtig ist, steht außer Frage. Wir finden Kreativität sogar so wichtig, dass wir ihr eine ganze Ausgabe der EINS widmen. In der neuen Ausgabe, die im November erscheint, wird Kreativität aus verschieden Perspektiven und von jeder Menge kreativer Menschen beleuchtet. Beim Recherchieren, Interviewen und Schreiben haben wir uns gefragt: Was macht diese Leute eigentlich so kreativ? Kann man Kreativität lernen? Und was können Unternehmen tun, um die Kreativität ihrer Mitarbeiter zu fördern?

„Kreativität ist angeboren“ – wirklich?

Ob Kreativität angeboren ist oder nicht, darüber streiten sich Forscher seit Jahren. Inzwischen spricht jedoch einiges dafür, dass Kreativität – zumindest zu einem gewissen Grad – gelernt und gefördert werden kann. Und selbst, wenn die Gene doch eine Rolle spielen und nicht jeder das gleiche Kreativitäts-Level erreichen kann, lohnt es sich doch, eine Umgebung zu schaffen, in der jeder Mitarbeiter sein kreatives Potential ausschöpfen kann.

Das Gehirn herausfordern

Der berufliche Alltag vieler Menschen besteht zu einem großen Teil aus Routineaufgaben. Bei den meisten lässt sich das nicht vermeiden und das muss es auch nicht. Trotzdem ist es wichtig, hin und wieder aus der Routine auszubrechen. Studien zeigen zum Beispiel: Menschen, die für eine längere Zeit im Ausland gelebt haben, sind besser darin kreative Aufgaben zu lösen. Im Kleinen lässt sich das auch auf den Alltag übertragen: Neue Eindrücke und Reize machen kreativ. Wenn das in der Unternehmenskultur verankert ist und Mitarbeiter auch mal mit Aufgaben, die von der täglichen Arbeit abweichen, konfrontiert werden, können ungewöhnliche Ideen entstehen. Jeder Einzelne kann dabei etwas für seine Kreativität tun: einen neuen Weg zur Arbeit nehmen zum Beispiel. Oder die Mittagspause mal anders verbringen als sonst. Oft kommen die besten Ideen sowieso, wenn man gar nicht danach sucht, sondern mit anderen Dingen beschäftigt ist.

Kreativität und Kritik

Brainstorming in Gruppen erstickt die Kreativität im Keim. Man hat Angst etwas Dummes zu sagen, halbfertige Ideen werden sofort bewertet und die eigene Ideenkette reißt ab, während andere sprechen. Ganz zu Beginn der Ideenfindung ist Kritik wenig hilfreich.

Später, wenn die Idee schon etwas ausgereifter ist, kann Kritik aber durchaus zielführend für kreatives Denken sein. Konstruktive Kritik kann Impulse geben in eine andere Richtung weiterzudenken, auf die man alleine vielleicht nicht gekommen wäre. Man sollte Kritik also nicht nur als Innovationskiller sehen. Zur richtigen Zeit und richtig formuliert, kann Kritik die kreative Weiterentwicklung von Ideen durchaus vorantreiben.

Kreativitätskiller Großraumbüro?

Wie wichtig ist die physische Umgebung für unsere Kreativität? Während die einen in tristen Großraumbüros am immer gleichen Platz sitzen, wechseln andere in stylischen Räumen zwischen Schreibtisch, Sofa und Hängematte hin und her. Aber macht das überhaupt einen Unterschied? Ein Mitarbeiter in einem bunten Raum bringt natürlich nicht automatisch gute Ideen hervor. Trotzdem hat die Gestaltung von Büros einen Einfluss darauf, wie gut Menschen Ideen entwickeln können. Wichtig ist es zum Beispiel einen Austausch zwischen den Abteilungen zu ermöglichen. Wenn Zonen geschaffen werden, in denen sich die Teams in lockerer Runde unterhalten, steigt das positive Betriebsklima und die Produktivität. Neben solchen „Kommunikationszonen“ sollte es aber auch Plätze geben, an denen in Ruhe gearbeitet werden kann. Schließlich müssen Ideen nicht nur gefunden, sondern auch weiterentwickelt und umgesetzt werden.

Lerchen und Eulen

Damit Menschen ihr kreatives Potenzial entfalten können, ist es wichtig, dass sie ihrem Biorhythmus entsprechend arbeiten und ihren Tag um ihre produktivsten und kreativsten Phasen herum planen können. In dem Buch Daily Rituals: How Artists Work kann man viel über die Arbeitsgewohnheiten von Charles Darwin, Andy Warhol und 159 Weiteren erfahren. Der Architekt James Lloyd Wright zum Beispiel stand immer nachts um 3 Uhr auf, arbeitete ein paar Stunden und ging dann wieder ins Bett. Solche Extreme lassen sich in vielen Unternehmen natürlich schwer umsetzen. Der Streamingdienst Netflix ist hier sehr mutig. Dort wurden einfach alle Vorschriften zur Arbeitszeit abgeschafft. Bereits 2010 sagte der damalige Sprecher Steve Swasey: „Richtlinien und Vorschriften und Regelungen und Bestimmungen sind Innovationskiller. Menschen geben ihr Bestes, wenn sie unbelastet sind.“. Ob so viele Freiheiten am Arbeitsplatz nur Positives mit sich bringen, darüber lässt sich natürlich streiten. Der Kreativität und Innovationskraft der Mitarbeiter tut ein bisschen mehr Freiheit jedoch gut.

Mehr zum Thema „Wie entsteht Kreativität?“ können Sie ab November in der Ausgabe 3 der EINS lesen.

Bild: Annie Spratt